11 - 12 - 2018

Wehrmachtsausstellung

Ein Fehler! Ein Fehler: Da eine Bildunterschrift unvollständig, dort eine falsch, hier statt einer reichsdeutschen eine russische Uniform. Ha, wie sie jetzt Schenkel schlagen, wie sie ihre geschichts- und gesichtslosen Zeigefinger richten auf die, die ihnen schon die ganze Zeit verdächtig bis zuwider waren. Sie spüren das Oberwasser und lassen sich von ihm tragen auf die Titelseiten der Tageszeitungen und Magazine, fläzen sich dort selbstgefällig breit, ihre Bedenken im einzelnen und besonderen und vor allem ihre Einwände dem Grunde nach zum Besten gebend. Die Botschaft heißt, kurzgefaßt: Erstens gab es so viele Wehrmachtsangehörige, daß deren Verstrickung in Nazi-Gräueltaten nicht sein darf; läßt sich nationalsozialistisches Unrecht vielleicht noch qua Stigmatisierung und/oder Tabuisierung ausblenden, gelingt dies bei einer so volksübergreifenden Schuld ja doch ungleich schwerer. Zweitens sind wir es leid, laufend mit unserer Geschichte konfontiert zu werden. Am liebsten wäre uns, wir würden die Zeit zwischen 33 und 45 ganz ausblenden. Drittens ist dies schon deshalb vonnöten, damit Deutschland der eigenen Stärke mit dem gebührenden Stolz bewußt sein kann und wagen lernt, diese weltpolitisch einzusetzen. Drum gilt es, alles an unangenehmer Erinnerung auszulöschen. Den, der gegen die Verbote des Mainstream verstößt, mundtot zu machen. Die Walser-Rede und die Debatte um das Holocaust-und-Schluß-damit-Denkmal waren nur der Anfang.


2001

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