17 - 07 - 2018

Targetted Killing

Im DLF Politisches Feuilleton. Eine Dame, deren Namen ich gnädig verdränge, parliert über Targetted Killing, sprich Gezieltes Töten, sprich Mord. Der Mossad hat es unverhohlen hoffähig gemacht, dass der CIA auch keine Skrupel hatte, ahnte man, weiß man jetzt definitiv, seit Bush im Irak involviert ist und bei seinen Vergeltungsschlägen eine stetig anschwellende Spur aus Blut unschuldig Betroffener produziert. Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch, Unschuldsvermutung, Keine Verurteilung ohne Verfahren, schon garnicht zum Tode, schreien Menschenrechtler und Humanisten, Internationales Recht reklamieren sie und dass derartige Tötungsaktionen, siehe Palästina und Irak, dem Terror bloß neue Nahrung verschüfen und ihn mit Märtyrern versorgten. In dubio pro reo? O Nein, meint die Dame, Inter arma leges tacent, Cicero, oho, so so: Unter Waffen schweigen die Gesetze, Ausnahmezustand eben, Recht und Gesetz sind nur etwas für schönes Wetter. Targetted Killing — sie nennt es fast durchweg Targetted Killing, einmal heißt das Morden bei ihr „In die Zukunft gerichtete präventive chirurgische Operation" — führt sie aus, sei eine feine Sache, Ausdruck einer zunehmenden Kultivierung der Welt: statt altvorderem, „auf die Vergangenheit abzielenden Krieg" ein Schritt zur modernen „präventiven polizeilichen Maßnahme", das probate, noch dazu schonende Mittel gegen den Terror, dessen Vorteile die Nachteile — etwa Öl auf das Feuer der Vergeltung, Fehlschläge mit Kollateralschäden usw. — bei weitem überwögen. Hallo! Haaallo! Kneift mich wer? Hörte ich: Mord als Beitrag zur Kultivierung der Welt? Als Mittel gegen Terror? Von allen anderen Einwänden abgesehen: Wer entscheidet, was das ist: Terror? Herr Bush, wenn er etwas von einem fremden Land will, was dieses ihm nicht freiwillig in den dollar-gierigen Rachen schmeißt? Herr Struckjungschäuble? Hindukusch, ick hör dir trapsen. Wann wohl Herr Bush oder Herr Blair oder Frau Merkel auf den ersten Targetted-Killing-Listen aus Afghanistan, Palästina oder dem Irak auftauchen?  Fragt der Advocatus diaboli. Terror, Mr. President, is just another word for nothing left to loose: Notwehr und, leider, und leider zu oft, Notwehr-Exzess. Aber nicht die Ermordung des sich seiner Not Erwehrenden löst das Problem, sondern die Behebung der Notwehrlage, einer Lage, die nicht selten, ja sogar meist gerade von dem geschaffen wurde, dem die Notwehrattacke galt.

August 2008

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