11 - 12 - 2018

Es malt mich, Rimbaud

Dass die Welt der schönen Künste schön sei, dass es erstrebenswert sei, ihr anzugehören, sich in ihr zu bewegen: das können nur Tore meinen, die nicht wissen, wie es tatsächlich zugeht in ihr. Christina Asher, die berühmte Sängerin Christina Asher, über 60 CDs, Erfolge in großen Häusern von New York bis Frankfurt am Main, ein Weltstar, unbestritten, auch wenn sie dann und wann in Örtchen wie Ödewecht singt, Christina Asher also hatte einmal ein Programm konzipiert, bei dem sie einige Texte durch eine Schauspielerin rezitieren lassen wollte. Das Projekt wurde nicht alt, denn jene Schauspielerin, die eigentlich hätte froh sein müssen, mit der großen Christina Ascher auf einer Bühne stehen zu dürfen, zickte herum, sie konnte es nicht verwinden, nicht ganz so hell und nicht ganz so oft angestrahlt zu werden wie die Ascher, man fasst es nicht. Pianisten untereinander, man weiß es, gönnen dem Kollegen nicht das kleinste Schwarze unter dem Fingernagel, geschweige denn schwarze Tasten unter den Fingerkuppen in einem eigenen Konzert. In Orchestern toben Grabenkämpfe auch jenseits des Grabens: Warum ist der oder die unter den Ersten Geigen, während ich unter den Zweiten sitze, und wieso hat der Dirigent, dieser Schuft, die da angelächelt und nicht mich? Ich kenne Komponisten und -innen, die alles erreicht haben, was man sich nur wünschen kann, wirtschaftlichen Erfolg, Anerkennung durch Verleihung künstlerischer Preise und akademische Titel, und die doch Tage und Wochen ihres Lebens darauf verschwenden, seitenlange Leserbriefe mit geharnischten Besserwissereien zu verfertigen als Antwort auf einen schlecht bezahlten Redakteur eines Käseblättchens, der es gewagt hat, seiner Rezension ein halbes Wörtchen der Kritik beizumischen. Wie steigert man Feind? Feind, Parteifreund, Künstlerfreund. So manches Künstlerkollektiv hat als einziges wirkliches Ziel, die Kollegen unter Kontrolle zu halten und auszubremsen. Nach 10 Monaten zerrüttet wie manche Ehe nach dreißig Jahren, zählt dort nur der eigene Nutzen und wehe, dem kommt etwas in die Quere. Künstler sind egozentrisch. Künstler haben die Weisheit mit Riesenlöffeln gefressen. Ihre narzisstischen Seelchen wollen gestreichelt werden, sonst bricht für sie ihre Welt zusammen, und die wird von der Maxime bestimmt: Ich bin der Größte, Schönste, Beste. Müssen Künstler so sein? So exzentrisch, so selbstverliebt, so partnerschaftsunfähig, so widerlich unleidlich, so größenwahnsinnig? Einmal abgesehen davon, dass es gottlob auch (wenige!) andere gibt: Ja, vermutlich. Vermutlich sind diese Schatten der Persönlichkeit nur die Kehrseite eines besonders fein gestrickten Sensoriums, des Sensoriums, das sie dazu befähigt, sich künstlerisch zu äußern. Künstler im täglichen Umgang sind eine Prüfung für ihre Mitmenschen, im Guten, mit ihren Werken, an denen man sich reiben kann und die so das Leben der anderen zu bereichern vermögen, wie im Schlechten. Sie sind außergewöhnlich bis zum Grenzwertigen. Nicht selten erweist sich der Versuch einer rationalen Ansprache als vergebene Liebesmüh. Normal? Ist das noch normal? Was aber ist normal? Farbspritzer als Bilder? Man hätte Pollock in einer Entziehungskur trockenlegen sollen, dann wäre er auf andere Gedanken gekommen. Ist das normal: Bilder, die auf dem Kopf stehen? Baselitz soll ein ganz besonders ekliger Kotzbrocken sein. Über Bacon kursiert die schöne Anekdote, dass er es abgelehnt habe, sich in Psychotherapie zu begeben, weil er dann nicht mehr malen könne: what makes me mad, that makes me paint, und so mancher erspart sich mit der Arbeit im Atelier die eigentlich dringend benötigte Sitzung auf der Couch. Mir hat, zehn Jahre ist das her, damals schmierte ich Farben auf Leinwände und nannte das informell, nach einer Ausstellung mal einer gesagt: Wenn Sie nicht mit dem Malen angefangen hätten, wären Sie ein erfolgreicher Lustmörder geworden, naja. ES SCHREIBT MICH hat nicht nur phonetisch die Konnotation ES TREIBT MICH. Was treibt den Verbrecher, da er doch weiß, dass er überführt werden wird, die Tat dennoch zu tun? Dasselbe, was den Maler, Dichter, Komponierer treibt, wenn er sich an Leinwand, Schreibmaschine, Notenblatt zurückzieht. Die Sprache lügt nicht. Man spricht vom Prozess künstlerischer Betätigung gerne als der Erschaffung, der Schöpfung eines Werkes. Wer sich in diesem Prozess befindet, weiß, dass während seines Verlaufes alles um ihn herum versinken wird, bedeutungslos, unwichtig werden wird, während ein Neues entsteht: sein Werk. Schöpfung und Zeugung, die Sprache lügt nicht, rangieren auf einer Stufe, Schöpfungsakt und Zeugungsakt. Oder einfacher: Um sich ordentlich zu entspannen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Schreiben, malen, musizieren. Oder guten Sex.

Hören wir zur Entspannung ein Musikstück. Geschrieben hat es ein Komponist, der anfallsartig und rauschhaft besessen komponierte, einer, um den herum alles versank, wenn er arbeitete, ein früher Jimi Hendrix der Musikgeschichte, gleichermaßen erfolglos wie getrieben bis zum frühen Schluss: Franz Schubert, mit einer archetypischen Auslegung des sattsam bekannten Bestsellers "Der Weg des Künstlers" — "Eine Straße muß ich gehen, die noch keiner ging zurück". So ist das mit der Bestimmung des Künstlers. Musik bitte.

----- (Schubert WEGWEISER)

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---- (Rimbaud DIE LÄUSESUCHERINNEN)

Die Läusesucherinnen

Wenn, heiß die junge Stirn voll roter Qualen Bissen, 
Das Kind erfleht der vagen Träume weißen Tanz, 
Dann nahn zwei große Zauberschwestern seinen Kissen, 
Mit zarten Fingern in der Silbernägel Glanz.

Ans offne Fenster setzen sie das Kind hernieder,
Wo blaues Luftbad weit durch Blumenwirrnis weht,
Und durch sein schweres Haar, drin Tau fällt, hin und wieder,
Der Zauber ihrer feinen Finger schrecklich geht.

Es horcht dem Singen ihrer bangen Atemzüge, 
Die lang nach Rosen duften und nach Honigseim, 
Und die ein Zischen manchmal unterbricht, als trüge 
Ihr Mund nach Küssen Gier, in feuchter Lippen Feim.

Es hört die schwarzen Wimpern schlagen in der Stille, 
Duftschwer; und ihre sanften Finger, funkenumloht, 
Zerknistern, während grau und lässig wird sein Wille, 
Mit Nägeln, königlich, die kleinen Läuse tot.

Da will empor in ihm der Wein der Schlaffheit steigen, 
Harmonikageseufze, voll von wirrem Klang;
Das Kind, in ihrer Zärtlichkeiten trägem Neigen, 
Fühlt quellen und vergehn endloser Tränen Drang.

Der das schrieb, eine Generation nach Schubert, war sechzehn, sechzehn! Mit fünfzehn hatte Arthur Rimbaud angefangen, zu schreiben, drei Jahre später hörte er auf, da hatte er den ganzen Kosmos der Sprache bereits in Siebenmeilenstiefeln duchmessen, das Füllhorn der Silben ausgesoffen wie ein Verdurstender, ein Baal, ein monströses Genie, dem Weltliteratur passierte. Er hört auf, weil alles gesagt ist, was er zu sagen hat, jetzt will er, was aus ihm heraus geschrieben ist, er- leben. Schubert wurde 31, Rimbaud 37, früh verbrannt. Mit siebzehn ließ er einem ihm wohlgesonnen ehemaligen Lehrer, vor Selbstbewusstsein strotzend, sehr von oben herab, folgende Belehrungen zuteil werden: "Ich bin ständig im Ausstand, stürze mich mit Feuereifer in alle möglichen Ausschweifungen. Warum? Ich will POET werden, und ich arbeite daran, mich SEHEND zu machen. Sie, mein Bester, kapieren das ja absolut nicht, und ich weiß kaum, wie ich Ihnen das begreiflich machen soll. Es geht darum, das Unbekannte zu erreichen durch ENTREGELUNG! ALLER! SINNE. Die Leiden auf dem Weg dorthin sind ungeheuerlich, aber man muss stark sein, wenn man als Poet geboren ist (Eine Straße muß ich gehen...) — und ich habe mich als Poet erkannt. Das ist keineswegs meine Schuld. Es ist falsch zu sagen: "Ich denke". Man müßte sagen: ES DENKT MICH. — Verzeihen Sie das Wortspiel.

ICH IST EIN ANDERER. Was kümmert es das Holz, wenn es als Geige erwacht? Pech gehabt, oder Glück, mag sein, es erkennt sein Glück nicht einmal, aber HOHN, HOHN! über all die Ahnungslosen und Nichtswisser, die über Dinge räsonieren, von denen sie keinen blassen Schimmer haben..." Zitatende.

Hier, in Rimbaud, finden wir alles, was künstlerische Existenz ausmacht: Begabung, Besessenheit, Selbstentäußerung, Selbstüberhebung und die Konzentration auf das eigene Werk. Von daher, und jetzt, jetzt endlich, begeben wir uns auf die lang erwartete Kurve zu dieser Ausstellung, von daher enthielt das dreigefächerte Thema dieser Kunsttage ("Was kümmert es das Holz, wenn es als Geige erwacht", "Es malt mich", "Ich ist ein anderer") eine Einladung an alle Berufenen und alle sich berufen Wähnenden, beliebige Produkte ihrer jeweiligen Selbstentäußerung beizusteuern, will sagen: Das Thema war so frei, dass wir kaum einen Beitrag ablehnen konnten, wenn er denn als Ergebnis eines künstlerischen Schöpfungsaktes zu erkennen war — und Fließbandarbeit, Kunsthandwerkliches pp. wurde ohnehin nicht angeliefert. Viele Möchtegerns konnten mit dem Thema nichts anfangen und haben die Waffen frühzeitig gestreckt.

Siebzehn Künstler aus Bad Zwischenahn, Bardenfleth, Bösel, Bremen, Edewecht, Elsfleth, Oldenburg aber haben die Einladung angenommen, darunter etliche ganz unbefangen, in weitesten Sinn ihrer Worte: M. L. etwa, die ein herbstliches Szenario illuminiert, in dem Geigen von Bäumen hängen, oder eine kryptische Traumsequenz mit vereinsamtem Vogel. B. W.  zeigt titellose Abstraktionen, die, indem sie alle möglichen Assoziationen zulassen, zur kontemplativen Betrachtung anregen; sie kann dem Rezipienten etwas von der glückhaften Stille des künstlerischen Schaffensprozesses zurückgeben, die den Bildern innewohnt. T. Z., eine früh Begabte, voran drängend mit Rimbaudschen Ungestüm, zeichnet auf grobem, großen Grund die innerliche Landschaft eines "embrionic mind", zu deutsch: Kindskopfes, einer unberührten Seele. Ein kraftvolles Duktus mit weiten Schwüngen prägt diese grafische Arbeit. In zwei weiteren Arbeiten, "Gegen den Strich", fast eine Umsetzung des Satzes "Ich ist ein anderer" und noch mehr in ihrem Bild "Rio" ergibt sch die Bildaussage praktisch allein aus dem eruptiv-gestischen Umgang mit Farbe und ihrer Materialität. (Ein ähnliches Verfahren finden Sie überigens im Schlussteil des Triptychons "Abschied).

Auch die Bildhauerein A. B.  spielt mit ihrer Tonarbeit "Novemberwunsch" das unbenannte Spiel der Titelanklänge. Ein Schmusekissen, täuschend echt und doch mit der für ihre Handschrift typischen verhaltenen Widerborstigkeit, das Kissen und die Tasse Tee künden virtuos von der Transformation des einen Ich zum anderen. Ähnlich lose handhabt T. H.  die Umwandlungsthematik. "Engel sind auch nur Männer" lautet der Titel seines witzigen Dreiteilers, in dem ein, zwei, drei nackte Männer unter Heiligenscheinen sich selbst im Lügen und derifaltigen Schwatzen gefallen. M. G. behandelt mit "Thirty Something", X- unddreißig, die Existenzängste aller chronisch Neunundzwanzigjährigen: Werde ich mit dreißig ein anderer? Fallen mir mit dreißig die Zähne aus? Und die Haare? Und das Schamhaar? Hocke ich dauernd beim Arzt? Und laufe nur noch bandagiert herum? P. J.  malt einen Ausschnitt von Giacomettis HUND, und stellt damit die alte Jekill-und-Hyde-Frage: Wer von uns ist eigentlich der andere?

Wie weit sich das Spektrum möglicher Antworten auf die Titelthemen bei einem näherem Eingehen auf ihren wörtlichen Gehalt erstrecken kann, lässt sich L. B.  Arbeiten "Verwandlung" und "Es war einmal" entnehmen. Ausgehend von einer einer Blüte, liebevoll und mit feiner Handwerklichkeit ausformuliert, bewirkt die symbolistisch-romantische Unterfütterung der narrativen Bildelemente deren philosophisch transzendierende Erhebung. Andere packen fester zu. U. B.  zum Beispiel schickt uns mit locker geschüttelten Linien der Rohrfeder auf die Reise ins enigmatische Wunderland zwischen Ich und dem anderem, zwischen Holz und Geige. G. L., auf ähnlichem Abstraktionsnivau, doch mit ganz anderem technischen Zugang, leuchtet die Zwischenräume zwischen den Polen aus: "Geflecht", "Vermummt" und "wenn der Rauch" offenbaren viele heimliche Zauber-Fluchten und -Nischen in diesen Zwischenstadien.

P. H. hat in seinen Fotografien wundervolle Bilder aus Ich und Engel, Holz und Geige komponiert. M. B. hingegen stellt die Holz-Geige-Metapher vom Kopf auf die materiellen Füße: Ein Baumbild als Dreiteiler, abgehackt schon durch die Rahmenausschnitte, ein gefallener Riese mit naturhafter Optik und, jawoll, Haptik, saftige, pralle, gekonnte Malerei, und dazu, am Boden liegend, Scheiben einer Baummissgeburt, die es dennoch hoch gebracht haben muss. Viel weniger erdenschwer, im Gegenteil kitzelfederdadaleicht die beiden Arbeiten von M. D.: Eischalenbrösel, die sich zu dem Wort "Schalentiere" fügen und eine rote Socke, die höchtsselbst als ihr eigenes Selbstbildnis Karriere macht: welch eine Idee zur Weiterverwendung von ausgedienten Politikern! Auch U. W.-W. liebt das schöne Spiel der konkrete Poesie. WAS KÜMMERT ES DAS SCHWARZ WENN ES LEBENDIG WIRD zeigt das Ergebnis einer grafischen Umwandlung, WAS KÜMMERT ES DAS VOLK WENN ES IM SCHLAMM VERSINKT das Ergebnis einer Computertransformation, der das Logo der Bild-Zeitung zum Opfer fällt, in der Implosion der Tumbheit können sich endlich alle, alle wiederfinden, Millionen Fliegen können nicht irren.

Der schwarzweiße Teil vom lebendig gewordenen Schwarz ist übrigens im gestischen Rausch entstanden, also zugleich ein Beitrag zum Thema ES MALT MICH. Einen weiteren Beitrag hierzu leisten die Schreibtischkritzeleien, die U. und ihre Tochter A. im Laufe der Jahre vollbrachten, tele-talks alias Cy Twombly, stundenlang kritzelt der Andere, während ich telefoniere, was, das soll ich gemalt haben, Hilfe, ES KRITZELT MICH! Von gänzlich anderem Zuschnitt ihre Materialcollage "Vita". Eine Reihe von Computerdisketten, die einzelne Lebensabschnitte und deren Übergänge speichern und versinnbildchen, fügt sich, anachronistisch genug, in einen quadratischen Rahmen, fertig und ab an die Wand, eine Arbeit von lebensweiser, tiefernster Metaphorik.

Und zu guter Letzt unsere Porträtserie. Es war einmal ein Maler, der wollte mal eben seinen Freund und seine Freundin porträrieren, nur zwei kleine Bildchen, blaue Phase. Als er das zweite fertig hatte, folgte ein drittes, und ein viertes, und dann gab es kein Halten mehr, es malte ihn und malte ihn und malte ihn, zwanzig Bilder lang: J. M. heißt der Maler, wie schön, dass er sich ergeben hat! Eine delikat abgestimmte Palette, blau, grau und licht, schwebend austarierte Konturen, richterhaft verschwommen. J. M. ist Biologe von Haus aus und hat spät mit dem Malen begonnen. Zum Glück hat er eines Morgens realisiert, malerisch zur Geige geworden zu sein, und wenn er demnächst von Oldenburg aus nach Süddeutschland zieht, um sich ganz der Malerei zu widmen, kann man ihm nur alles Gute wünschen.

ICH IST EIN ANDERER; ES MALT MICH; WAS KÜMMERT ES DAS HOLZ — Liebe Künstler, Danke, dass Sie mitgemalt und sich mitgekümmert haben, ich wünsche jedem von Ihnen, von Euch, ganz uneigennützig und von ganzem Herzen ganz viel Zuspruch und viele Verkäufe, jeder von Euch ist auf seine Weise der Größte, Schönste, Beste, ich rufe Euch mit Euch Mielke auf Sächsisch zu: "Ich liebe Euch alle"; Ihnen und Euch, liebe Helfer: Danke für Eure Unterstützung; Dir, lieber Helmut: Danke, tausend Dank für Deine Begeisterung, ich weiß, dass sie echt war und immer noch ist, und für Deine tätige Sympathie; Dir, liebe Petra, werte Frau Bürgermeisterin: Danke für Deine warmen Worte. Ihnen, meine svDH, liebe Zuhörer, deren Geduld ich zutiefst bewundere, möchte ich zum Schluss noch ein wenig Schubert schenken oder auch zumuten, das Andante aus der A-Dur-Sonate, geschrieben in feinfühliger Vorahnung des baldigen Todes, und vorher, weils so schön war, noch einmal Rimbaud, den Schluss vom "Trunkenen Schiff",

---- Rimbaud (Das trunkene Schiff)

...

Derweil die Tide, tobte und klatschte an den Dämmen,
flog ich, und es war Winter, wie Kinderhirne stumpf,
dahin. Und wär es möglich, daß jemals Inseln schwämmen,
kein solcher Gischt umbraust' sie, kein ähnlicher Triumph.

Ein leichter Korken, tanzt ich dahin auf steiler Welle:
die erste Meerfahrt haben die Stürme benedeit.
Von solcher Welle heißt es, sie töte und sie fälle -
Die albernen Laternen der Häfen blieben weit!

So süß kann Kindermündern kein grüner Apfel schmecken,
wie mir das Wasser schmeckte, das grün durchs Holz mir drang.
Rein wuschs mich vom Gespeie und von den Blauweinflecken,
fort schleudert es das Steuer, der Draggen barst und sank.

Des Meers Gedicht! Jetzt konnt ich mich frei darin ergehen,
Grünhimmel trank ich, Sterne, taucht ein in milchigen Strahl
und konnt die Wasserleichen zur Tiefe gehen sehen:
ein Treibgut, das versonnen und selig war und fahl…

Musik bitte, Danke und Tschüs!


November 2005