18 - 02 - 2018

Strauß-Gala

Dreierlei könne er nicht behalten: "Erstens: Namen. Zweitens: Zahlen. Und drittens... hab´ ich vergessen". A gä! Herbert Prikopa, Dirigent und Conferencier in Personalunion, kokettiert. Dabei hat der alte Schlawiner ein Gedächtnis wie ein Elefant, die zweieinhalb Stunden des Abends bis hin zur letzten Verbeugung nach der dritten Zugabe im Kopf und sein Orchester, die "K & K Philharmonie", fest im Griff. So fest, dass es gemeinhin reicht, wenn er die eine oder andere Augenbraue hebt. Und wenn´s gar zu beschwingt wird, zuckt auch einmal der Stab in der Rechten oder der Zeigefinger der Linken. Aber bitte nur kurz, das schont die Figur.

Johann-Strauß-Gala in der Weser-Ems-Halle: Allein der köstliche Prikopa war den Besuch wert. Dem rüstigen Senior, gelernter Bariton, aber auch als Kabarettist, Komponist und Buchautor aktiv, gelang es mit seinem Charme sogar in der Fremdsprache Hochdeutsch, die Veranstaltung mit jener Patina aus Larmoyanz und Eleganz zu adeln, die Wiener Schmäh wie Walzerseligkeit auszeichnet. Die Produzenten der Marsch- und Walzer-Show halten sich die Marktführerschaft zugute. Das überrascht nicht, denn für den, der´s mag, passte (fast) alles zusammen: Prikopas gespielte Wurschtigkeit, ein blendend aufgelegtes, vorzüglich abgestimmtes Orchester, das nach Belieben zwischen sämig und süffig wechselte und doch, so bei Josef Straußens "Aquarellen", auch feinsinnig zu differenzieren vermochte, ausdrucksstarke Gesangspartien (Charlotte Leitner, Sopran, und Thomas Sigwald, Tenor), eine Staffage voller Glanz und Gloria und nicht zuletzt das Programm, sehr viel Johann Strauß Sohn, eine Prise Suppé, an kloanen Schuss Strauß Vater, den aber zackig, daramdamdam.

Kontrastreich oder pastös, doch stets in edel wallende Seide gewandet das Ballett, fünf junge Paare, die bedarfsweise über die Bühne wirbelten, um mit der Sinnenfreude von Schaufensterpuppen Leibesübungen zu verrichten. Die Männchen haben Haltung und die Weibchen wenig Gewicht, man hat ihnen Scharniere eingesetzt und ein Dauerlächeln ins Gesicht geklebt. Kuck ma, Geesche, sie lächelt mir zu. A gä.

2006