15 - 12 - 2017

Tag für Tag -- Der poetische Moment

Reinhard Rakow

in den stillen fahlen tagen

in den stillen fahlen tagen großer hitze
wenn keine luft sich regt zwischen verbranntem laub
kannst du die toten sehn. sie treiben in den dünsten
die vor den himmeln sind, dahin als bleicher staub
aus knochenmehl, fettrauch und hirngespinsten
bedeutungslos und träg. sie lassen glieder baumeln
als schwebten sie, gebahrt auf nachtglasmatten
entgegen keinem ziel. oder sie taumeln
im eingedickten wind vor vierzig grad im schatten
und vor dem tötelicht, das brandig in sich kocht
und vor der stille, die, mühsam eratmet, machtvoll lähmt —
du greifst nach ihnen. doch du greifst in watte
mit tauber hände kraft, durch endlichkeit gezähmt....
du wolltest vögel hören. doch der pfiff der ratte
aus ihrem letzten loch hält dich besetzt.
du wolltest sonne spüren. doch der schwefelnebel
in dem sie schwimmen, hat allen glanz zersetzt.
so treiben sie durch dich hindurch in ferne räume
letzter erschöpfung, die kein geist mehr bläht.
du denkst nicht mehr. du duldest schwarze träume
von nasser hadesmacht und wie sie sich entlädt.

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