11 - 12 - 2018

14. Februar 2017

Reinhard Rakow
entlang der straße

entlang der straße stehen bäume aufgereiht
mit hohen stämmen, ast-, zweig-, blattlos fast
wie telegrafenmäste; der kopfputz, spärlich
und zerzaust, erzählt vom werk eifriger motor-
sägen: natur, natur ...  — so weit das auge
reicht, so weit der tank: wo weites land, recht-
eckig arrondiert, nützliche flächen fügt,
kunstphosphatgrün gedüngt, asphaltgehalten
von wald gefolgt, schnellwüchsig holz, umzäunt
mit maschendraht, und braunes ackerland
aufwendig tiefdrainiert, mit gift desinfiziert
der landmaschinerie die schläge aufbereitet ...
in nachbarschaft das weidegras, ein reservoir
für rind-, schwein-, hühnerschiss, schwarzweiß
bewuchert fleck um fleck, elektrozaun-
gepierct: landschaft, landschaft ... ein traum
von traum, zu end geträumt vor zeit, darin
geteert ein hof, glas-, altpapier-container
vor einem supermarkt, parkbuchten, einkaufs-
furt, leitplanken, schild um schild, danach, fein
ziseliert, vorgarten an vorgarten, zierblumen-
reich bestückt, und da ein haus und dort ein haus
zerfallend und geputzt, gewienert und gefegt
radwege bürgersteig, tankstelle, lagerbau
und -fläche, ne brache voll gestrüpp an fabrik-
scheunenflucht, nun eine ampel hier, hinter
dem kiosk alt ein fahrradmofastand, beton
durch den die distel bricht, der queck und die
brennnessel. so eilt der ort vorbei und endet
während der fahrbahnpfähle kette schlägt
ihr schwarz auf weiß, geschrägt, um reflektoren:
natur, natur ... erzählt vom fraß der motorsägen
an hohen stämmen, ast-, zweig-, blattlos fast
wie telegrafenmäste. es stehen bäume aufgereiht
entlang der straße —