18 - 10 - 2017

Gebanntes Lauschen


Weser-Kurier zum Barock-Konzert am Ostermontag 2016

Bravouröses Konzert mit Barock-Kompositionen in der Warflether Kirche
Gebanntes Lauschen
Gerd Klingeberg 31.03.2016

Die helle Abendsonne zauberte einen intensiv leuchtenden Regenbogen an den Himmel über Warfleth; dabei hatte es Minuten zuvor noch ein kurzes, aber heftiges Unwetter gegeben. Es schien, als habe der Wettergott für das Konzert in der alten, sich unmittelbar hinter den Weserdeich duckenden Kirche St. Marien einen geradezu idealen Auftakt inszeniert, der bestens passte zu einer Programmabfolge mit Barock-Kompositionen, in denen der Wechsel menschlicher Leidenschaften eindrucksvoll widergespiegelt wird.

Konzert
Ostermontag Konzertkirche Warfleth
Die Flötistin Elisabeth Champollion, der Cellist Christoph Harer und der Cembalist Karl-Ernst Went begeistern das Publikum. Foto: Christian Kosak

Letzteres und noch einiges mehr erfuhren die Zuhörer im voll besetzten, wieder einmal zum reizvollen Kammerkonzertsaal umfunktionierten kleinen Gotteshaus durch die kenntnisreichen, mit einer Prise Humor gewürzten Einführungsworte von Reinhard Rakow, der auch anhand einiger Tagebuchauszüge von Samuel Pepys ein kurzes Szenario der Lebensumstände des 17. Jahrhunderts vorstellte.

Kontrastreich, vielschichtig und von gleichsam satter Farbigkeit wie die bunten Ostersträuße am Altar war dementsprechend auch die Musik, die von der Flötistin Elisabeth Champollion, dem Cellisten Christoph Harer und dem Cembalisten Karl-Ernst Went auf zeitgenössischem Instrumentarium vorgestellt wurde. In durchweg homogenem Zusammenspiel gelang es dem Trio, den spezifischen Charakter der zumeist kurzen Einzelsätze kunstvoll nachzuzeichnen.

Eine Sonate (g-Moll aus „Il Pastor Fido“) des großen italienischen Komponisten Antonio Vivaldi bot mit typischem Wechsel aus schnellen und ruhigeren Abschnitten, aus effektvoll quirligen Läufen und weit schwingenden Harmonien eine kurzweilige Einstimmung.

Von Beginn an bezauberte die ausgewogene Klangmischung der eigentlich recht unterschiedlichen, dennoch optimal harmonierenden Instrumente. Der warme Blockflötenton schien mit den gestrichenen Melodielinien des barocken Cellos so manchen freundschaftlichen Disput auszutragen, während das helle Zirpen des Cembalos einen fein gewebten Klangteppich unterlegte. Sorgfältige Akzentuierungen und eine dynamisch lebhafte Gestaltung der diversen Werke sorgten für unterhaltsame Abwechslung.

Die profunde Spieltechnik der Vortragenden war ganz besonders bei solistischen Kompositionen zu bewundern. Mit einem Ricercar von Domenico Gabrielli (der als Cellist erstmals Stücke für Solo-Cello schrieb) demonstrierte Christoph Harer seine exzellenten Griff- und Strichfähigkeiten. Karl-Ernst Went hatte für sein Cembalo-Solo die „Neue Clavierübung“ von Johann Kuhnau gewählt, die er mit größter Fingerfertigkeit und markanter Betonung als stimmungsvolles Kleinod präsentierte. Und gebannt staunendes Lauschen war angesagt, als Elisabeth Champollion bei der Fantasie Nr.1 von Georg Philipp Telemann die nuancierten Timbres der so oft unterschätzten Barock-Blockflöte mit berauschend warmtönigem Ansatz und schwebender Eleganz vortrug.

Die direkt anschließende Telemann-Sonate (TWV 41:d4) führte alle drei Instrumente wieder zusammen; durchzogen von schier endlosen Läufen und raffiniert ineinander verschlungenen Verzierungen, die mit tänzerischer Elastizität ausgeführt wurden, verdeutlichte das Werk den Höhepunkt einer musikalischen Entwicklung des Barock.

Zu welchen „Tollheiten“ man sich zudem im barocken Italien hinreißen ließ, das zeigte eine Sonate von Arcangelo Corelli mit dem bezeichnenden Namen „La Follia“ („Die Verrücktheit“): Ein 16-taktiges simples melodisches Thema wird dabei dutzendfach in unterschiedlichsten rhythmischen und harmonischen Variationen wiederholt und im Tempo teils fulminant gesteigert. Es war gleichzeitig der krönende Abschluss eines gut zweistündigen, grandiosen Konzerts, bei dem das bravourös aufspielende Trio – wie der lang anhaltende Beifall eindrucksvoll bewies – für uneingeschränkte Begeisterung gesorgt hatte.

 

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