18 - 10 - 2017

Rückblick auf die V. Bücherwochen 2015

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Interview

„Der Aufwand hat sich gelohnt“

Beeindruckt haben ihn Autoren und Vorleser, sagt Rakow im NWZ -Exklusivinterview. Gefreut hat er sich über das große Interesse an den unterschiedlichen Veranstaltungen.

 
Beeindruckt haben ihn Autoren und Vorleser, sagt Rakow im NWZ -Exklusivinterview. Gefreut hat er sich über das große Interesse an den unterschiedlichen Veranstaltungen.

Frage: Die Berner Bücherwochen sind mit der Preisverleihung kurz vor Weihnachten zu Ende gegangen. Mit welcher Schlagzeile wird die fünfte Auflage dieses bedeutenden Kultur- und Bildungsprojekts treffend beschrieben?

Rakow: „Ihr habt die Wahl – macht was draus!“

Frage: Warum?

Rakow: Diesen Satz sagte Anita Krüger, eine 88-jährige Zeitzeugin aus Brake, zum Abschluss der Premiere des Buches von Förderschule und Gymnasium über Jugend im Nationalsozialismus. Sie ging ungefragt nach vorne ans Mikrofon und appellierte an die Jugendlichen, unsere heutigen Freiheiten klug zu nutzen. Das war der Moment, der Satz dieser Bücherwochen.

Losgelöst von seiner geschichtlichen Dimension eignet er sich, das Anliegen der Bücherwochen auf den Punkt zu bringen: nämlich zu motivieren, Zeit sinnvoll einzusetzen – etwa dazu, Neues zu lernen, oder dazu, Mitmenschlichkeit zu üben. Ganz heruntergebrochen sagt er: Das Angebot der Bücherwochen war so vielfältig, dass jeder davon profitieren konnte.

Frage: Was hat Sie am nachhaltigsten beeindruckt?

Rakow: Das Engagement der zahlreichen Autoren, das der vielen „Nachbarn“, die sich als Vorleser meldeten, und das der Vortragsbesucher, die manchmal bis zu drei Stunden intensiv diskutierten. Sie haben die Vorträge von Ulrike Herrmann, Karsten Krogmann und Gerhard Trabert zu Sternstunden gemacht.

Frage: Was hat Sie am meisten überrascht?

Rakow: Dreierlei: Die Reaktionen auf den Vortrag von Ingo Harms über den Umgang der Nazis mit behinderten Kindern. Hundert Achtklässler aus Gymnasium und Förderschule hingen ihm an den Lippen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Zweitens das hohe Niveau etlicher „Liebes Geschichten“. Drittens die Vorlese-Kunst zum Beispiel einer Sabine Schulz aus Brake oder des erst zehnjährigen Hannes Wöbken aus Ganspe.

Frage: Niemand ist perfekt: Welche Veranstaltung, welches Projekt hätten Sie rückblickend anders aufgezogen oder besser weggelassen?

Rakow: Marianne Brentzels Vortrag über Berta Pappenheim war schlecht besucht. Warum weiß ich nicht. Gut, ich hätte in der Ankündigung auf die Karte „Kampf gegen Mädchenhandel“ setzen können. Aber ob ich diese Boulevard-Verkürzung wirklich gewollt hätte, bezweifle ich.

Frage: Bei welcher Veranstaltung hätten Sie sich mehr Zuspruch gewünscht?

Rakow: Marianne Brentzel, klar, denn der Vortrag war klasse. Und Frederik Baldus. Sein tolles Konzert war zwar ordentlich besucht, hätte aber noch mehr Publikum verdient gehabt.

Frage: Die Bücherwochen zu organisieren und zu koordinieren, ist eine immense Herausforderung: Was werden Sie aufgrund der Erfahrungen, die Sie in den vergangenen Wochen gemacht haben, bei den nächsten Bücherwochen anders machen?

Rakow: Vielleicht weniger Nachbarlesungen, die viel Zeit kosten. Wenn andererseits eine Rückmeldung kommt wie „Was für ein toller Lese-Abend!“ hat sich der Aufwand gelohnt. Sicher werde ich vor manchem Schülerbuchprojekt verstärkt mit mir und anderen in Klausur gehen.

Frage: Wie erholen Sie sich von den kräftezehrenden Wochen?

Rakow: Indem ich die Bücherwochen nach- und das Konzert mit Graham Johnson und Benjamin Appl vorbereite. Benjamin Appl habe ich vor zwei Jahren gesagt, wenn er es schafft, Graham Johnson nach Warfleth zu holen, rolle ich beiden den roten Teppich aus. Versprochen ist versprochen. Jetzt geht es erstmal Teppich kaufen, das entspannt.

Frage: Machen Sie uns abschließend Appetit auf die sechsten Berner Bücherwochen: Was erwartet uns?

Rakow: Ich denke „Frieden“.

 

http://www.nwzonline.de/wesermarsch/kultur/der-aufwand-hat-sich-gelohnt_a_6,0,2088605243.html